Psychische Belastungen bedingt durch die Maßnahmen der Corona Pandemie

Uns alle beschäftigt das Thema COVID 19/Corona. Die Freizeitaktivitäten sind eingeschränkt, der Kontakt mit Freunden und meist auch Verwandten eingeschränkt. Das Coronavirus stellt die gesamte Gesellschaft vor viele Herausforderungen. Während die einen tatkräftig unsere Versorgung sicherstellen, sind andere in Kurzarbeit, andere kämpfen mit existenziellen Sorgen und andere arbeiten im Homeoffice. Psychisch wird dabei viel von uns abverlangt, von unangenehmen Gefühlen wie Ängste, Unsicherheit und Ärger bis hin zu mehr Zusammenhalt in der Familie, Unterstützung von Freunden/ Nachbarn. Selbst jetzt, wo die Impfkampanien wohl Fahrt aufnehmen, bestimmen Zweifel, Ängste und Einsamkeit zum Teil das Leben vieler.

Wir alle müssen uns auf diese neue Situation einstellen und so treten psychische Belastungen individuell und in der jetzigen Pandemie öfter bei den Beschäftigten auf, sie treten nicht nur im Betrieb auf, sondern auch Zuhause, im Homeoffice oder auch außerhalb der Arbeit. Im Folgenden wird auf die psychischen Belastungen während der Pandemie im Betrieb und beim Homeoffice eingegangen.

Die DGUV hat, zu den psychischen Belastungen während der Pandemie, zwei Handlungshilfen herausgegeben, damit die Arbeitgeber und Verantwortliche im Arbeits- und Gesundheitsschutz die psychischen Belastungen während der Pandemie im Blick behalten können und Gegenmaßnahmen treffen. 

Direkt zu den DGUV Informationen: Handlungshilfen zur Erkennung psychischer Belastungen bei Beschäftigten während der Pandemie.

Beispiele für Situationen/ Bedingungen die im Betrieb/ Homeoffice zu Belastungen führen können

Viele Mitarbeiter arbeiteten vor der Pandemie im Büro und sollen jetzt wegen des Infektionsschutzes von Zuhause aus arbeiten oder die Anzahl der im Büro arbeitenden Beschäftigten wurde reduziert, die eine Hälfte arbeitet von Zuhause und die andere im Büro. Dieses kann zu Konflikten und Problemen führen.

Die Belastungen können aus unterschiedlichen Bereichen kommen. Im Folgenden sind einige Beispiele aufgelistet:

Im Betrieb: Schichtarbeit

Im Homeoffice:

  • Meine Aufgaben im Homeoffice sind nicht klar definiert
  • Wenig Abwechslung
  • Eigenverantwortliche Arbeits- und Zeitplanung
  • Häufige nicht dienstliche Ablenkungen/ Unterbrechungen
  • Multitasking (Arbeit, Kinderbetreuung, Kochen, usw.)
  • Platzprobleme in der eigenen Wohnung. Kein Arbeitszimmer vorhanden, um einen gesonderten Arbeitsplatz einzurichten
  • Mehrere Personen aus einem Haushalt müssen auf engstem Raum arbeiten
  • Wenig ergonomischer Arbeitsplatz (Küchenstuhl, Sofa, zu hoher/niedriger Tisch)

Im Betrieb und im Homeoffice (Probleme die beide haben können): 

  • Keine oder kaum Austausch mit Kollegen oder Vorgesetzten
  • Kein Feedback für die geleistete Arbeit
  • Zeitverzögerte oder unzureichende Informationen/ Vorarbeiten von Kollegen/-innen, durch schlechte Absprachen oder schlechte Erreichbarkeit, allgemeine Verschlechterung der Zusammenarbeit und Abstimmung
  • Zusatzaufgaben durch die Pandemie, wodurch die reguläre Arbeit nicht oder nur teilweise geschafft wird
  • Änderung der Arbeitszeiten
  • Keine geregelten Arbeits-/ Pausenzeiten
  • Probleme mit der Betreuung der Kinder
  • Keine genaue Regelung bei Quarantäne von Mitarbeitern oder Vorgesetzte/ Bekanntgabe der Vertreter usw.

Warnsignale bei Stress und Überlastung, die zu psychischen Belastungen führen

Warnsignale die Sie als Vorgesetzten oder Kollege wahrnehmen können.

Veränderungen im Verhalten, Wesen und der Arbeitsleistung für eine längere Zeit ohne erkennbaren Grund, kann ein Hinweis auf eine Überlastung, chronischen Stress oder eine beginnende psychische Erkrankung sein:

Veränderungen im sozialen Verhalten

  • Rückzug und Vermeidung von Kontakt zu Arbeitskollegen/innen
  • Empfindlichere Reaktion auf Kritik im Vergleich zu früher
  • In sich gekehrt und abwesend
  • Anzeichen von Angst, Überforderung, Unentschlossenheit oder fahrig, überdreht.

Veränderungen in der Leistungsbereitschaft und Qualität der Arbeit

  • Abnahme der Leistung und Anzeichen von Überanstrengung/Unruhe
  • Müdigkeit, Unkonzentriertheit oder auffällig langsam bei der Arbeit
  • Zustand das dem Mitarbeiter alles egal wäre
  • Steigung der Fehlerquote, Flüchtigkeitsfehler.

Übergreifende Veränderungen

  • Häufige körperliche Beschwerden oder häufig kurzfristige Krankschreibungen
  • Vernachlässigung der äußerlichen Erscheinung und Körperpflege
  • Keine sichtliche Erholung nach Urlaub oder Wochenende.

Wenn die Veränderungen länger als 6 Wochen anhalten, sollte man Maßnahmen ergreifen und zumindest ein Gespräch suchen, um dem Mitarbeiter zu helfen.

Warnsignale die Sie selber beobachten und einschätzen können.

  • Hohes Arbeitstempo mit Verzicht auf Pausen
  • Viele Überstunden
  • Sinkende Qualität der Arbeit / Häufige Fehler
  • Regelmäßiger Alkohol- oder Medikamentenkonsum
  • Ständig erhöhter Blutdruck/ Bluthochdruck
  • Schlafstörungen
  • Appetitlosigkeit
  • Reizbar
  • Unzufriedenheit
  • Chronische Kopfschmerzen
  • Herz-Kreislauf-Beschwerden.

Wenn mehrere dieser Symptome auf Sie zutreffen, sollten Sie sich Gedanken machen und sich jemandem anvertrauen, egal ob einer privaten Person, einem Arzt oder dem Vorgesetzten. Jedoch können Sie auch, bevor die Symptome auftreten, präventiv agieren. Sie können Ihre Belastbarkeit stärken und belastbarer werden durch Stressbewältigung.

Einfache Tipps helfen gegen Stress bei der Arbeit und können die Stressbewältigung steigern

  1. Entspannungsmethoden oder Sport treiben
  2. Dinge ändern, die man ändern kann
  3. Klare Grenzen setzen (z.B. Grenze zwischen Arbeit und Freizeit)
  4. Den Tagesablauf gut organisieren, Pausen einplanen
  5. Pausen bewusst verbringen (z.B. Spaziergang, bewegte Pause (Gymnastik, Yoga) oder ein entspannendes Heißgetränk einnehmen)
  6. Die eigene Erwartungshaltung ändern, die Erwartungshaltung anderer gegeben Falls anpassend korrigieren 
  7. 'Stopp' und 'Nein' einsetzen (z.B.. nicht selbst unter Druck setzen und bewusst 'Nein' einsetzen. Keine weiteren Aufgaben übernehmen, wenn viele der bestehenden Aufgaben noch unerledigt oder offen sind)
  8. Probleme offen ansprechen, Problembewusstsein bei den Aufgabenübermittlern schaffen. Nur mitteilenden Menschen kann auch geholfen werden. Unausgesprochene Probleme, unerledigte Aufgaben wird kaum einer los, wenn er nicht darüber berichtet, Wege aus der Situation sucht und Hilfe annimmt).